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Was hat die digitale Transformation mit EOS zu tun? Ist sie schlicht ein Hype, der bald vorübergeht? Klaus Engberding und Justus Hecking-Veltman erklären, wie sich die EOS Gruppe auf die Anforderungen einer zunehmend digitalen und vernetzten Gesellschaft vorbereitet.

Jeder spricht von Digitalisierung. Ist das lediglich der neueste Trendbegriff in Managerkreisen oder muss sich EOS ernsthaft damit auseinandersetzen?

Justus Hecking-Veltman: Digitalisierung ist in aller Munde und derzeit stark gehypt. In diesem Fall zu Recht: Wir müssen uns klarmachen, dass die Digitalisierung der Gesellschaft nicht wieder aufhören wird – im Gegenteil. Dieser Prozess ist einschneidend, er stellt alles Vorherige auf den Kopf. Ähnlich wie es die Erfindungen von Buchdruck, Elektrizität oder Internet getan haben. Insofern ist dies unbedingt ein Thema, dem wir eine zentrale Bedeutung beimessen. Wir spüren den Wandel in der gesamten Wirtschaft. Wichtig ist, dass wir diesen Entwicklungsprozess aktiv gestalten. Dazu müssen wir unsere Art zu arbeiten verändern.

Aber es läuft für EOS doch gerade sehr gut?

Klaus Engberding: Vordergründig scheint dies richtig. Aber wir stehen unter einem sehr hohen Wettbewerbsdruck. Nicht zuletzt durch die Niedrigzinspolitik und das so günstige Geld tummeln sich viele branchenfremde Investoren in unseren Gefilden. Sie sind bereit, sehr hohe Preise für Portfolios zu zahlen. Es wird zunehmend schwieriger, den Zuschlag für Forderungspakete zu angemessenen Kaufpreisen zu bekommen. Eine Folge: Die Margen sinken. Die Produktivität muss steigen. Zukunftsfähigkeit heißt also letztendlich Wettbewerbsfähigkeit.

Wille zur Veränderung:
CFO Justus Hecking-Veltman (links), der auch für die IT zuständig ist, und Klaus Engberding, in der Geschäftsführung verantwortlich für den deutschen Markt

Was hat die Digitalisierung konkret mit Inkasso zu tun?

Engberding: Vereinfacht könnte man sagen, die Digitalisierung beeinflusst vor allem drei Aspekte unserer Arbeit: Wie wir mit Kunden und Schuldnern agieren, was wir ihnen als Lösungen anbieten und wie wir selbst bei EOS miteinander arbeiten. In Deutschland entwickeln wir derzeit eine neue Inkasso-Software, die die Anforderungen einer digitalisierten Gesellschaft erfüllt.

Können Sie das genauer erklären? Wie sieht das Inkasso der Zukunft aus?

Engberding: Wir werden künftig schuldnerindividuell und datengetrieben arbeiten. Unser neues Kernsystem wird bestehende Daten, die wir im Kontakt mit dem Schuldner generieren, analysieren, aus ihnen lernen und im Ergebnis Prozesse intelligent steuern. Dies soll uns ermöglichen, den Schuldner zum richtigen Zeitpunkt mit der richtigen Ansprache über den für ihn passenden Kanal besser zu erreichen als heute.

Hecking-Veltman: Wir sind vorbereitet, bis zu 100 Millionen Euro in die digitale Transformation und Technologie zu investieren. Dabei ist es uns wichtig, unser System zum datengetriebenen Arbeiten selbst zu entwickeln. Denn wir wollen nicht allein die gesetzlichen Vorgaben voll erfüllen, sondern darüber hinaus unsere selbst gesteckten ethischen Grundwerte sichern, zu denen sich alle EOS Unternehmen in unserem Code of Conduct verpflichtet haben.

Was halten Ihre Kunden von den Zukunftsplänen?

Hecking-Veltman: Wir sind in der glücklichen Lage, dass uns unsere Kunden vertrauen. Als Stichwort sei hier das Thema Datenschutz genannt, das eines unserer höchsten Güter ist. Unsere Kunden wissen, dass wir höchstmögliche Sicherheit bieten. Aber natürlich erwarten sie auch, dass wir unsere Produktivität kontinuierlich steigern und das beste Ergebnis für sie erzielen. Auch da wir unser neues Kernsystem komplett in Eigenregie entwickeln, können wir es auf die Bedürfnisse unserer Kunden abstimmen.

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Die Zukunft soll man nicht voraussehen wollen, sondern möglich machen.
ANTOINE DE SAINT-EXUPÉRY (1900–1944), der Schriftsteller war ein leidenschaftlicher Pilot und begeistert von moderner Technik. Unter anderem war er als einer der ersten Luftpostflieger auf der Strecke Toulouse–Dakar unterwegs.

Welche kulturellen Veränderungen innerhalb der EOS Gruppe bringt die digitale Transformation mit sich?

Engberding: Gerade in der Zusammenarbeit wird sich einiges ändern: Bereichsübergreifende Projektarbeit ist ein wichtiges Thema, genauso die Bereitschaft, Verantwortung zu übernehmen. Im Zusammenhang mit der Digitalisierung hört man immer wieder das Stichwort agiles Arbeiten. Darunter verstehe ich eine Erhöhung der Geschwindigkeit durch Selbstverantwortung im Team. Das funktioniert natürlich nur, wenn ich Vertrauen habe und wenn die Mitarbeiter diese Verantwortung annehmen wollen. Wir haben eine gute Mannschaft, mit der wir das hinbekommen werden.

Ist die Digitalisierung ein rein deutsches Thema?

Hecking-Veltman: Mit Sicherheit nicht. Wir sind als EOS Gruppe in 28 Ländern vertreten und bieten über ein internationales Netzwerk von Tochter- und Partner­unternehmen Dienstleistungen in mehr als 180 Ländern an. In einigen Projekten intensivieren wir bereits die internationale Zusammenarbeit. Die neue Inkasso-Software entwickeln wir aktuell in Deutschland. Dabei haben wir im Blick, dass unsere Tochterunternehmen im Ausland davon profitieren können: Erkenntnisse aus dem Einsatz der neuen Technologie planen wir anschließend in weitere Länder zu übertragen.