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Wie entwickelt sich die Zahlungsmoral in Europa? Wie reagieren europäische Unternehmen auf die Zahlungsgewohnheiten ihrer Kunden? Und welche bulgarischen Firmen setzen zurzeit verstärkt auf professionelles Forderungsmanagement? Diese und ähnliche Fragen beantworten internationale Studien der EOS Gruppe.

Europa: Zahlungsmoral stagniert

Im Schnitt wird in Europa rund jede vierte Rechnung
nicht innerhalb der Zahlungsfrist beglichen.

Zahlungsziele steigen europaweit

Welches Zahlungsziel gewährt Ihr Unternehmen in der Regel? (Angabe in Tagen)

Europa: „Es fehlt die Dringlichkeit“

Unternehmen warten länger auf ihr Geld.

Die Zahlungsmoral in Europa hat sich 2016 im Vergleich zum Vorjahr minimal verschlechtert (siehe Grafik „Europa: Zahlungsmoral stagniert“). Damit ist die positive Entwicklung, die von 2014 auf 2015 zu beobachten war, nun zum Stehen gekommen. Der Anteil termingerecht gezahlter Rechnungen betrug in westeuropäischen Ländern durchschnittlich 80 Prozent, in Osteuropa 74 Prozent. 2015 lag der Wert jeweils um einen Prozentpunkt höher. Und die meisten Unternehmen rechnen nicht damit, dass sich die Entwicklung wieder umkehrt. Das zeigt die EOS Studie „Europäische Zahlungsgewohnheiten“ 2016, für die das unabhängige Marktforschungsinstitut TNS Infratest 3.000 Unternehmen in 14 europäischen Ländern befragte.

Parallel zur stagnierenden Zahlungsmoral verlängerten sich 2016 die Zahlungsziele, die Unternehmen ihren Kunden setzen, im Vergleich zum Vorjahr (siehe Grafik links). Kunden haben im Durchschnitt 36 Tage und damit zwei Tage länger Zeit, ihre Rechnungen zu bezahlen. In Großbritannien räumen Unternehmen ihren Kunden sogar vier Tage, in Ungarn sieben Tage mehr ein als 2015. „Wenn wir die Studienergebnisse der letzten Jahre vergleichen, stellen wir fest, dass es einen Zusammenhang zwischen Zahlungszielen und Zahlungsmoral gibt“, sagt Hans-Werner Scherer, Vorsitzender der Geschäftsführung der EOS Gruppe.

Entgegen der Annahme, dass durch längere Zahlungsfristen der Anteil pünktlicher Zahlungen steigt, scheinen Kunden die Bezahlung dann weiter hinauszuzögern. „Es fehlt die Dringlichkeit, Rechnungen werden eher vergessen“, meint Scherer. „Sollte sich diese Tendenz zur Verlängerung der Fristen fortsetzen, erwarten wir, dass sich die Zahlungsmoral verschlechtert.“

EOS Studie 2016

Bulgarien: Mehr Forderungsverkäufe

Professionelles Forderungsmanagement zunehmend gefragt.

Bulgarische Unternehmen setzen verstärkt auf professionelles Inkasso spezialisierter Dienstleister. Das zeigt eine aktuelle Studie von EOS Matrix und den 14 weiteren Mitgliedsunternehmen des Verbands bulgarischer Inkassounternehmen (ACABG). So stieg das Volumen der Forderungen, die 2015 an bulgarische Inkassodienstleister übergeben wurden, deutlich auf umgerechnet rund eine Milliarde Euro. Im Vorjahr belief sich das Volumen auf circa 731 Millionen Euro. Gleichzeitig stieg die durchschnittliche Höhe der Forderungen gegenüber Verbrauchern nach Angaben der Befragten pro Kopf von umgerechnet 248 Euro im Jahr 2014 auf 381 Euro im Jahr 2015.

„Gründe für den Anstieg des Volumens ausgelagerter Forderungen sind die gestiegene Kreditvergabe sowie der in diesem Jahr in Bulgarien anstehende Banken-Stresstest“, erklärt Rayna Mitkova-Todorova, Geschäftsführerin von EOS Matrix in Bulgarien und Präsidentin des bulgarischen Inkassoverbands ACABG. Daher übergaben Banken 2015 so viele Forderungen an Dienstleister wie keine andere Branche. Der Anteil der Bankenforderungen machte rund 60 Prozent aus. „Die Geldhäuser möchten mithilfe von professionellem Inkasso ihre Liquidität stärken“, so Mitkova-Todorova. Aus demselben Grund nahm das Volumen von Forderungsverkäufen stark zu: 2014 gelangten B2C-Portfolios für umgerechnet rund 81 Millionen Euro zum Verkauf. 2015 verdreifachte sich dieser Wert nahezu auf umgerechnet 234 Millionen Euro.

Bulgarische Banken lagern Forderungen vermehrt aus

2015 entfielen in Bulgarien 63 Prozent des an Inkassodienstleister übergebenen Forde-rungsvolumens auf Banken. 2014 waren es lediglich 35 Prozent. (Angaben in Prozent)

Banken
Telekommunkationsunternehmen
Sonstige Finanzdienstleiter (Nicht-Banken)